Pokalfinale
Lutz: “Alex, Bock auf eine Early-Bird-Runde am Samstag?”
Ich: ” Gerne, (im Scherz) Sonnenaufgang ist um 5:24, wir könnten also um 06:00 Uhr abschlagen!”
Lutz (nicht im Scherz): “Super-Idee, das machen wir!”
Ich: “Äaah, also…”
Lutz: “Und da ich momentan Inhaber des Hubert-Cup bin, können wir endlich auch mal einen um den Pokal ausspielen!”
Und so fügte es sich, daß ich am vergangenen Samstag Morgen um 05:45 Uhr auf den Parkplatz des GC Pankow rollte.
Man muss dazu sagen, daß sich hier mehrere Umstände zusammen ein Stelldichein gaben. Eigentlich ist der Hubert-Cup der Grund, warum ich Lutz kennenlernte. Lutz spielt mit seinem Bruder und seinen Kumpels schon seit Jahren um den Hubert-Cup und zur nachweltlichen Dokumentation der Schlachten um den Pokal wurde ein Blog eingerichtet. Ich weiss jetzt nicht mehr ob ich über den Hubert-Blog stolperte oder Lutz über Golfer’s Delight, jedenfalls kommentierte der eine beim anderen und irgendwann verabredeten wir uns zu unserer ersten Runde. Im Übrigen auch im GC Pankow, auf dessen Parkplatz ich nun stand. Und neben mir die Damenmannschaft des Clubs. Was genau die um 06:00 Uhr morgens auf einem Samstag hier vorhatten, konnten wir nicht herausfinden.
Da Lutz und ich beide mehrfache Familienväter sind, wissen wir um die Wichtigkeit der wochenendlichen Familienzeit und um das mit dem doch zeitraubenden Hobby Golf zu verbinden, nehmen wir gerne mal sterbensfrühe Abschlagszeiten in Kauf, um doch noch dem Hobby frönen zu können.
Der Zeitstempel des Greenfee-Automaten zeigte 06:13 Uhr an, wenig später standen wir am ersten Abschlag des Sepp-Maier-Platzes und diskutierten den Modus der folgenden Auseinandersetzung über 18 Loch. Unter Männern und Gentlemen gab es nur eine Antwort: Matchplay. Brutto natürlich.
Erst einige Tage zuvor hatte ich an ebengleicher Stelle anlässlich unserer After-Work-Golf-Runde feststellen müssen, wie erbärmlich es momentan um mein Golfspiel bestellt ist. Daher wähnte ich mich als leichtes Opfer für Lutz. Mein erster Abschlag war ein nach links gemurmeltes Eisen, während Lutz ein fröhliches Hölzchen abschlug. Relativ schnell wurde aber klar, dass derjenige das Match gewinnen würde, der die wenigeren Fehler machte (irgendwie eine alte Matchplay-Weisheit, aber dennoch).
Die Punkte gingen fröhlich hin uns her, kaum ein Loch wurde geteilt. Meist ging der auf dem Fairway erspielte Vorsprung im kurzen Spiel oder beim Putten wieder über den Jordan. „It ain’t over ’til the fat lady sings. Or the last putt is in the hole!“ Ein bischen schämen musste ich mich dennoch für mein Spiel, streckenweise habe ich so ein erbärmliches Golf zusammengemurmelt, dass Lutz mir an der Bahn 8 einen Mulligan schenkte. Der erste Abschlag war ein so dilettantischer Bunnyfucker, dass es anscheinend nicht mehr mit anzusehen war. Der zweite Abschlag ging dann allerdings wie Butter vom 5er Eisen.

Wie gesagt, mehr als zwei auf war keiner von uns. Aber wie es sich für eine ordentliche Dramaturgie gehört, wurde es zum Ende hin sehr spannend. Nachdem Lutz an der 13 und 14 seinen ersten Abschlag ins Aus gesemmelt hatte, nutzte ich meine Chance und gewann beide Löcher um dann eins auf zu gehen. Auf der 15 ereilte mich das Schicksal, nachdem ich meinen ersten Abschlag im linken Rough verlor und Lutz „ich brauche diese Bahn“ mit mädchenhaften Sicherheitsschlägen das Match wieder teilte.
Die 16 ist eine 400m langes Par4, welches komplett bergauf geht und sich daher eher wie ein Par5 spielt. Eisen fünf, Eisen sieben, Wedge und ich liege auf dem Vorgrün, Driver, Eisen sieben, Eisen sieben und Lutz liegt links neben dem Grün, sein Chip läuft lang, während mein Putt bis 20cm an die Fahne rollt. Ich gehe eins auf mit zwei Bahnen zu gehen. Genau das spannende Finish, welches wir uns beide gewünscht haben. Nach dem Abschlag liegt der Vorteil bei Lutz, er liegt 15m länger als ich und weiter rechts am Dogleg. Meinen zweiten Schlag erwische ich böse am Hosel und dresche ihn nach rechts ins Pankower Rough, welches man – Ortskundige werden es mir bestätigen – nur mit einer Machete im Bag betreten kann. Die Machete war in meinem Fall mein Sandwedge, mit dem ich mich aus dem Kraut befreien konnte und mir den Weg zurück aufs Fairway ebnete.
Lutz hatte also alle Chancen, mir auf diesem Loch die Hosen auszuziehen. Aber statt auf dem Fairway fand auch er sich in der gleichen Grütze wie ich. Ohne den Ball sehen zu können, schlug er sich aber auch bravourös zurück aufs Fairway. Aber nach Schlägen lagen wir wieder gleichauf. Der Schlag ins Grün sollte der entscheidende werden. Lutz lag fast pinhigh, aber leider links neben dem Grün. Mein Wedge liess mich nicht im Stich und der Ball landete auf dem Grün. Mit Bogey gewann ich das Loch und das Match. Etwas, mit dem ich ehrlicherweise nicht gerechnet hätte. Nachdem ich den Golfblogger-Cup letzten September an Karsten verlor, darf ich nun stolz wieder eine Trophäe mein Eigen nennen. Ich überlege noch, wie ich mich am besten auf dem Teil verewige, bevor ich es wieder verteidigen muss. Lutz sprach nämlich umgehend nach Pokalübereignung die Rückforderung aus auf seinem „home turf“ in Gross Kienitz. Bring it on!
Lutz, vielen Dank für die großartige Runde, ich freu mich schon auf die nächste Gelegenheit, mit Dir die Schläger zu kreuzen!
3 comments so far!
Say something!

















[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von leadinggolfblog erwähnt. leadinggolfblog sagte: New blog post: Pokalfinale http://www.golfersdelight.de/2010/05/10/pokalfinale/ [...]
Ich sollte vielleicht auch mal wieder spielen, momentan passt das alles zeitlich nicht. Aber morgens um 6 wäre ich überhaupt nicht in der Lage dazu, da kann ich nichtmal denken, geschweige denn mich körperlich betätigen.
Im September bekommst Du ja die Chance eine weitere Trophäe zurück in deinen Trophäenschrank zu holen. Aber leicht werde ich es Dir nicht machen.