Baltic Hills revisited

Vor fast genau einem Jahr spielte ich Baltic Hills zum ersten Mal. Damals hatte der Kurs noch kein DGV-Rating, das Clubhaus war noch nicht ganz fertig, alles war noch in den Anfängen. Mein Urteil von damals: viel Potential, muss sich aber noch etwas einwachsen.

In den letzten 10 Tagen habe ich drei Runden auf dem Kurs gespielt. Zeit für eine neue Beurteilung.

Das erste Schmuckstück des Clubs sieht man schon bevor man den Platz betreten hat: das Clubhaus ist wirklich schön geworden, mit kurzen Wegen von Parkplatz am Pro Shop vorbei zur Range. Die umlaufende, überdachte Veranda bietet einen guten Blick auf das Doppelgrün der 9 und 18 und hoch über das Mulliganloch zum ersten Abschlag. Nach der Runde warten eine gute Küche und freundlicher Service, lediglich die Gästeumkleide und die Dusche ist etwas sehr spartanisch ausgestattet, aber hier lässt sich leicht Abhilfe schaffen in Zukunft.

Aber kommen wir zum Platz: 18 Loch plus Mulliganloch, 6.047 Meter von Weiss, 5.771 Meter von Gelb. Die Idee des Mulligan-Loches (Par 3 115m) auf dem Weg zum ersten Abschlag finde ich nach wie vor großartig. Kleines Aufwärmloch oder ein kleiner Zock mit dem Flightpartner, es ist auf jeden Fall eine schöne Auflockerung bevor es auf die “richtige” Runde geht. In seiner aktuellen Ausgabe schreibt das GOLFmagazin, ob es nicht sinnvoller wäre, das Mulligan-Loch mit dem ersten Loch zusammenzulegen zu einem Par 5. Das würde den Platz auf einen Par 72 Standard bringen, aber in meinen Augen wäre das nicht notwendig, den Charakter des Platzes würde es nicht zwangsläufig schärfen. Das jetzige erste Loch als kurzes Par 4 lässt einen entspannt in die Runde starten, bevor man auf Loch zwei und drei gleich mal höllisch auf das Wasser aufpassen muss, vor allem wenn man drehende Winde hat wie bei der heutigen Runde.

Loch vier und fünf machen viel Spaß, wenn man platziert spielt. Die Bahn 5 erinnert mich mit ihrem stark ondulierten Fairway etwas an das Loch 15 auf dem von von Bernhard Langer designten Westplatz im Berliner GC Stolper Heide. Egal wo Du stehst, Du stehst am Hang.

Loch neun sieht einfacher aus, als es sich zumindest für mich spielt, der erhöhte Abschlag lädt ein, einfach mal den Abschlag ins Tal zu ballern, aber mit den rechts lauernden Pinien hatte ich immer Streit (von wegen Bäume bestehen zu 90% aus Luft). Doppelbogey wars für mich auf der Bahn im besten Fall.

Das prägende Element bei Bahn 11, aber auch bei der 12 und der 7 ist der zweite Schlag, den man meistens blind spielen muss, es sei denn man hat verlässlich über 210 Meter carry vom Abschlag. Was ich nicht habe. Hier zahlt es sich aus, wenn man den Platz schon ein paar mal gespielt hat. Oder ein Birdiebuch im Pro Shop erstanden hat.

An Bahn 13 konnte ich meinen eigenen – aus dem Score des letzten Jahres genährten – Ansprüchen nicht gerecht werden. Damals verhalt mir ein perfekter zweiter Schlag durch die schmale, rechte Gasse hindurch zwischen Waldrand und der Baumgruppe, die das Grün verteidigt zu einem sehr schönen Par. Dieses Jahr wollte ich irgendwie zuviel und habe es jedesmal schon beim Abschlag gepflegt verkackt.

Bahn 14 gehört für mich zu den schönsten Par 3′s, die ich bislang gespielt habe. Optisch wunderschön durch die Gasse zwischen den Bäumen hindurch, gut verteidigt durch einen das Grün umlaufenden Bunker, aber mit 120 Metern gut erreichbar mit einem gut platzierten kurzen Eisen.

Einen schönen Abschluss bilden die Bahnen 17 und 18. Die 17 ist ein 172 Meter langes Par3, von mehreren Bunkern gut verteidigt. Zugleich liegt das Green an der höchsten Stelle des Kurses und ist landschaftlich sehr exponiert, daß Winde immer die Schlägerwahl am Abschlag beeinflussen. Mit leichtem Rückenwind war es heute ein Eisen 6 pinhigh, ich habe aber auch schon ein 5er Eisen im Bunker zu kurz gelassen.

Die 18 ist ein Par 5 mit 445 Metern, da die Bahn aber komplett bergab geht, spielt sie sich eher wie ein langes Par 4. Ein entspanntes Par ist hier immer drin und bildet den versöhnlichen Abschluss für die Runde.

Im Vergleich zu letztem Jahr als der Kurs noch sehr jung war hat sich die Qualität der Grüns und Fairways deutlich verbessert. Nicht, daß sie letztes Jahr schlecht gewesen wären, sie haben jetzt aber einen sehr guten Standard. Wie auch im Bericht des GOLFMagazins erwähnt, würden etwas Feintuning in der Mähung der Fairways dem Kurs noch mehr Charakter verleihen. Mehr Abstufung zwischen Rough und Fairway und schmalere Landezonen auf einigen Spielbahnen würden den Kurs noch sportlicher machen.
Optisch etwas nackt wirken noch die Wasserflächen an Spielbahn 2 und 3 sowie an der 9 und 18, mehr Schilf und Seegras-Anpflanzungen würden hier dem Auge wohl tun. Was definitiv noch mehr Feintuning benötigt sind die Bunker, die streckenweise sehr ungepflegt sind. Gras und Unkraut wachsen in sehr vielen Bunkern, schlecht geharkt waren sie obendrein. Erst bei meiner dritten Runde auf dem Platz waren die Bunker frisch geharkt, das Unkraut war aber immer noch da.

Aber mal ehrlich: wochentags habe ich hier 40 € Greenfee für 18 Loch bezahlt, ein echter Schnäppchenpreis für einen sportlichen und interessanten Platz. Ein interessantes Angebot ist auch die Fernmitgliedschaft im Baltic Hills Golf Club für 199,00 € pro Jahr und für Berliner interessant sind die 25% Greenfee-Ermäsigung im Partner-Club Prenden bei Berlin. Wer also oft hier oben urlaubt und auch in Berlin Golfspaß haben will, der mag mal drüber nachdenken.

Wer also auf der Insel ist, lässt Balmer See mal besser links liegen und stellt sich den 19 Löchern des Baltic Hills Golf Club.

Mehr aktuelle Fotos des Platzes drüben bei flickr!


 
July 31st, 2010
Alexander
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