
Dritter Tag der Berliner Golfwoche, mein zweites Turnier der Woche. Die Windverhältnisse schienen anfangs fast an die gestrigen Verhältnisse anknüpfen zu können, aber so schlimm kam es dann doch nicht. Anfangs dachte ich, daß wir den Sandy Lyle Kurs spielen würden, es wurde dann aber doch der etwas einfachere Westside Kurs. Dieser ist mir in sehr guter Erinnerung, als ich vor acht Jahren mit dem Golfspielen angefangen hatte, spielte ich den Kurs oft mit meiner Frau. Damals war es der einzige 18-Loch-Kurs in Berlin-Brandenburg, den man mit PE spielen durfte. Mein erstes Turnier spielte ich auf diesem Platz im November 2003. Damals sah meine Scorecard noch so aus:

Vier Schläge vor auf einem Par 5, wie geil war das denn? Aber zurück zu heute. Der Platz war in einem nahezu perfekten Zustand. Durch die feuchte Witterung der letzten Wochen waren die Fairways dicht gewachsen, frisch geschnitten wie ein grüner Teppich. Die Grüns waren treu und relativ schnell. Auch wenn der Westside Platz “nur” der zweitbeste Platz in Wilkendorf ist, das Greenkeeping ist das gleiche wie auf dem Sandy Lyle.
Beim Aufwärmen hatte ich noch an den Schwächen von gestern gearbeitet. Chippen bis zum erbrechen und viel putten. Sollte dem Score helfen, wie sich später herausstellte.
Wir starteten auf Bahn 10. Die spielte ich noch relativ verhalten, aber auf den folgenden Löchern wurde relativ schnell klar, daß heute was geht. Bogey-Par-Par-(Doppelbogey)-Par war so ziemlich der beste Lauf, den ich bislang in einem Turnier hatte. Vor allem die Art und Weise, wie die Scores zusammenkamen, war toll. Das Eisen 6 war meine Allzweckwaffe. Vom Tee gingen rund 180m, vom Fairway 160m, das reichte, um bei den meisten Par 4 Löchern kurz vor oder auf dem Grün zu liegen. Solides Chipping brachte mich in den meisten Fällen in den 3m-Radius rund um die Fahne. Single-Putt fürs Par, Zwei-Putt fürs Bogey. So kamen auf meinen ersten Neun 23 Nettopunkte zusammen. Auf den zweiten Neun gings etwas schwerer, aber ich habe es geschafft, den Score zusammenzuhalten. In der Vergangenheit hätte ich sicherlich das eine oder andere Loch komplett verkackt und gestrichen. Heute war ich aber in der Lage, nach schlechten Schlägen neu zu fokussieren und die notwendigen Schläge zu bringen.

Am 07. September 2006 habe ich mich auf HCP 26,3 runtergespielt. Fast fünf Jahre spiele ich diesem Handicap hinterher. In Turnieren habe ich maximal gepuffert, ansonsten hat sich mein Handicap nach und nach verschlechtert. Ich habe teilweise gespielt wie ein Anfänger, war maximal frustriert. Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle schon rumgeunkt, das Golfen komplett sein zu lassen. Und jetzt das. Ihr könnt es nicht glauben, wie ich mir den Arsch über diesen Score abfreue. Natürlich ist mir klar, daß jetzt erstmal eine neue Durststrecke kommt. Aber ich glaube, ich habe heute meine “Comfort Zone” beim Golf gefunden habe. Natürlich freut mich der geile Score auf den ersten neun. Aber heute habe ich mir auf den zweiten neun bewiesen, daß ich eine Runde auch zusammenhalten kann, wenn die Bälle nicht so sauber fliegen. Und für den zweiten Platz in der Klasse C Netto HCP 25,5 bis 54 hats auch noch gereicht.