Warum ich gerne alleine golfe

Normalerweise bin ich ja schon eher der geselligere Typ. Ich freue mich auf den Kontakt mit Freunden, Kollege, Bekannten und Menschen, die ich noch nicht kenne.

Eine der wenigen Orte, wo ich Ausnahmen hiervon begrüsse, ist auf dem Golfplatz. Das mag daran liegen, daß die Zeit, die ich momentan dafür aufbringen kann sehr rar gesät ist und ich mich dann nicht auch noch nach den Zeitplänen anderer Menschen richten möchte. Geschweige denn mit drei regelunkundigen Hackern sechs Stunden im Turnier auf dem Platz zu stehen, wenn ich in der Hälfte der Zeit eine sehr entspannte Privatrunde spielen kann. Nicht, daß ich Turniere meiden würde, ich such mir nur genau aus, auf welche ich Bock habe oder veranstalte gleich welche mit. Bei denen ist es mir dann auch wurscht, ob ich auch gerne sieben Stunden bei einem Kanonenstart auf dem Platz stehe, hauptsache ich habe ähnlich bekloppte Menschen um mich wie mich selber.

Dabei finde ich es in Turnieren nicht mal schlimm, wenn meine Flightpartner schlecht spielen oder Anfänger sind. Herrjeh, ich habe doch auch mal angefangen. Was mich allerdings rasend und übellaunig macht, wenn die Leute weder Etikette noch Regeln beherrschen. Das sind die einzigen beiden Dinge beim Golf, die man wirklich zügig lernen kann und die auch vom Handicap unabhängig sind. Zügig spielen, sich rechtzeitig überlegen, welchen Schläger man spielen will, das Bag auf der richtigen Grünseite abstellen, beim Ball suchen helfen, auch wenn es nicht der eigene ist. Also alles Dinge, die der ratschende Hausfrauenvierer eher nicht auf der Pfanne hat.

Daher suche ich auf meinen Runden all diesen menschlichen, beweglichen Hemmnissen aus dem Weg zu gehen. Der beste Weg dies zu tun ist eben alleine auf dem Platz zu sein und die beste Zeit bei der das klappt ist zum Beispiel morgens früh. Daher kann ich den Golfnerd nur allzu gut verstehen, wenn er sich um 04:00 den Wecker stellt um vor der Arbeit noch schnelle neun Loch zu spielen. Genau aus dem gleichen Grund stand ich heute morgen in meinem Urlaub um 06:15 auf, um um 07:00 den ersten Abschlag in meinem Heimatclub zu entjungfern.

Und ja, ich habe beschissen gespielt, hatte fast die ganze Runde die Dreiputtseuche, wurde von Stechmücken trotz Autan aufgefressen, habe gefühlte 5 Bälle nach Polen ins aus socketiert, aber wisst Ihr was? Es war geil. Ausser der Tierwelt waren ein paar versprengte Greenkeeper unterwegs, ansonsten hatte ich die ganze Wiese für mich allein und wären die Stechmücken nicht gewesen hätte ich auch nackt spielen können, es hätte keinen interessiert. Versucht das mal beim Monatsknopf.


 
July 25th, 2012
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